Kooperation & Konkurrenz
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Teilprojekt 6 (assoziiert): Kooperation und Konkurrenz vor Ort. Die Herausbildung des Standorts München-Martinsried als Zentrum von Lebenswissenschaft und Biotechnologie

Projektleitung: Prof. Dr. Margit Szöllösi-Janze

Bearbeiter: Magnus Altschäfl, M.A.

Die Life Sciences sind spätestens seit ihrem Aufstieg zur neuen Leitwissenschaft epistemisch eng auf Kooperation angewiesen, markieren jedoch zugleich ein international hochkompetitives, stark ökonomisch bestimmtes Forschungsfeld. Das Projekt untersucht Martinsried bei München als Wissenschaftsstandort, an dem sich die globale Vernetzung lokaler lebenswissenschaftlicher Forschung gleichsam vor Ort materialisiert(e). In Martinsried, so die These, schlugen sich seit seiner Gründung vielfältige Kooperations- und Konkurrenzverhältnisse nieder, die sich miteinander verknüpften, verdichteten und institutionalisierten. Durch die Verbindung wissenschaftlicher mit politischen und ökonomischen Zielsetzungen entwickelten sie eine spezifische Dynamik und veränderten sich signifikant im Zeitverlauf.

Das Projekt geht von der Beobachtung aus, dass die biowissenschaftliche Wissensproduktion immer weniger innerhalb etablierter Disziplinen und Institutionen, sondern zunehmend in interaktiven Netzwerken erfolgte.

Es untersucht ein komplexes Gefüge sich durchdringender und dynamisch verändernder Konkurrenz- und Kooperationsbeziehungen: innerhalb einer wissenschaftlichen Disziplin bzw. zwischen wissenschaftlichen Disziplinen jeweils in ihren nationalen wie internationalen Bezügen; zwischen verschiedenen Typen organisierter Forschung (universitäre, außeruniversitäre, Industrieforschung); zwischen Forschung, chemischer (Groß-)Industrie und weltweit konkurrierenden Biotech-Firmen; zwischen regionaler, nationaler, EG/EU- und internationaler politischer Ebene. Im Zeitverlauf verschob sich das Verhältnis von öffentlich finanzierter und privat genutzter Forschung; die scientific persona des Grundlagenforschers wandelte sich zum Wissenschaftler-Unternehmer. Welche epistemischen Rückwirkungen dies nach sich zog, wie sich die moral economy der Wissenschaftler veränderte, bildet den argumentativen Fluchtpunkt des Vorhabens.